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Kita-Finanzierung

Landkreis Gießen – Symbolische Darstellung der Kita-Finanzierung: Kommunen schlagen Alarm

Kita-Qualität ist wichtig – aber sie kostet
Die frühkindliche Bildung hat für die Kommunen höchste Priorität. Das Kita-Qualitätsgesetz formuliert hierfür bundesweit wichtige und richtige Qualitätsziele. In Hessen werden diese Ziele im Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch (HKJGB) verbindlich verankert und weiter konkretisiert.
Die Kreisbürgermeister betonen ausdrücklich: „Wir unterstützen die Ziele der Qualitätsentwicklung im Kita-Bereich uneingeschränkt – denn gute frühkindliche Bildung ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder.“
Gleichzeitig kritisieren sie jedoch, dass über die Finanzierung dieser Qualitätsvorgaben kaum jemand spricht. Während neue Qualitätsstandards beschlossen werden, bleiben die Kommunen mit den wachsenden Kosten weitgehend allein zurück.
Konnexität ist kein politischer Wunsch – es ist eine Verpflichtung
Die Kommunen erinnern das Land daran, dass Konnexität ein verbindliches Prinzip ist: Wer Aufgaben überträgt, muss deren Kosten vollständig tragen. Dieses Grundprinzip wird im Kita-Bereich systematisch unterlaufen.
Während das Land Qualitätsstandards und gesetzliche Vorgaben festlegt, bleiben die Kommunen am Ende auf massiven Defiziten sitzen. Die Bürgermeister warnen daher: „Wenn die Konnexität dauerhaft ignoriert wird, verliert das Verhältnis zwischen Land und Kommunen seine Grundlage.“
Die Landeszuschüsse reichen bei weitem nicht aus, um ein finanzielles Auskommen darzustellen. Auch die Elternbeiträge können und dürfen nicht ins Unermessliche steigen. Die Kommunen sind dadurch immer stärker gezwungen, enorme Haushaltsmittel aufzuwenden.
Der ungeschriebene Grundsatz einer fairen Drittellösung ist längst Geschichte
Lange Zeit galt – unausgesprochen und richtungsweisend – das Ziel der sogenannten Drittellösung: Je ein Drittel der Kosten für Land, Kommune und Eltern.
Diese Zielmarke existiert faktisch nicht mehr. Heute tragen die Kommunen den Löwenanteil. Der durchschnittliche Deckungsbeitrag durch Elternbeiträge und Landeszuschüsse liegt im Landkreis aktuell bei 32 %. Dabei reicht die Spanne von einem geringsten Deckungsbeitrag von 11 % in Allendorf (Lumda) bis zu einem höchsten Deckungsbeitrag von 39 % in Grünberg, Laubach und Staufenberg.
Das bedeutet: Der überwiegende Teil der Kosten wird mittlerweile aus den kommunalen Haushalten getragen.
Kommunale Haushalte stehen kurz vor dem Kollaps
Die finanzielle Situation der Kommunen ist dramatisch. Rücklagen schmelzen rapide. Einige Gemeinden – ebenso wie der Landkreis Gießen selbst – werden bereits ab dem Jahr 2026 keine Rücklagen mehr haben, um ihre Haushaltsdefizite rechnerisch auszugleichen.
Allein für das Jahr 2026 rechnen die Kommunen im Landkreis Gießen gemeinsam mit einem Gesamtfehlbedarf von rund 42 Millionen Euro.
Kita-Gedenktag: Ein neuer Blick auf die finanzielle Belastung
In ihrem regelmäßigen Treffen Anfang November, bei dem auch der Kreishaushalt ein zentrales Thema war, entstand unter den Bürgermeistern die Idee, die finanzielle Belastung im Kita-Bereich einmal symbolisch darzustellen – in einer Form, wie man es vom bekannten Steuerzahlergedenktag kennt.
Der Steuerzahlergedenktag markiert traditionell den Tag im Jahr, ab dem ein durchschnittlicher Steuerzahler – rein rechnerisch – nicht mehr für den Staat, sondern für sich selbst arbeitet.
Nach diesem Prinzip lässt sich auch berechnen, bis zu welchem Datum die Einnahmen im Kita-Bereich reichen und ab welchem Tag die Allgemeinheit – also alle Bürgerinnen und Bürger – das Defizit mitträgt.
Für die Kommunen im Landkreis Gießen ergibt sich diese symbolische Rechnung: Der durchschnittliche Kita-Gedenktag ist im Landkreis Gießen am 26.04.2026. Besonders deutlich wird die Spannweite:
• In Allendorf (Lumda) ist dieser Tag bereits am 09.02.2026,
• in Staufenberg hingegen erst am 24.05.2026.
Damit wird klar: Der überwiegende Teil des Jahres wird die Kita-Betreuung „auf Kosten der Allgemeinheit“ finanziert.
Nicht die Qualität steht infrage – sondern die Finanzierung
Die Bürgermeister betonen ausdrücklich: „Wir stellen die Qualität und die Ziele der frühkindlichen Bildung nicht infrage. Wir stellen das Wie infrage – und vor allem die Frage: Wer bezahlt das?“
Die Kommunen übernehmen bereits heute große Teile der Last und stoßen dabei an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.
„Die Kommunen sind der zentrale Ankerpunkt der Demokratie. Wenn sie finanziell ausbluten, gefährdet das nicht nur die örtliche Infrastruktur, sondern die gesamte kommunale Selbstverwaltung“, so die Bürgermeister.
Die Kommunen fordern vom Land:
1. Eine auskömmliche und dynamisierte Finanzierung der Kita-Betreuung, die steigende Qualitätsanforderungen realistisch abbildet.
2. Klare Vereinbarungen, wie Qualitätsvorgaben finanziert werden sollen – bevor neue Gesetze oder Standards beschlossen werden.
3. Ein Zurück zu einem fairen Kostenverhältnis, bei dem Land, Kommune und Eltern Verantwortung teilen.
4. Mehr Planungssicherheit, damit Kommunen langfristige Entscheidungen treffen können.
Die Bürgermeister des Landkreises Gießen appellieren gemeinsam: „Es kann so nicht weitergehen. Wir brauchen dringend eine nachhaltige und gerechte Finanzierung. Die Kommunen dürfen mit dieser wichtigen Aufgabe nicht länger allein gelassen werden.“

Transparenz gegenüber dem Parlament und der Bevölkerung
Um die Situation anschaulich und transparent darzustellen, wird dieser Pressemitteilung eine Übersicht beigefügt. Diese enthält für jede Kommune:
• Einnahmen und
• Ausgaben im Kita-Bereich,
• den Deckungsgrad,
• sowie den errechneten Kita-Gedenktag.