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Hessischer Archivpreis 2015 geht an Otto Rühl aus Hungen-Villingen

Der Ehrenamtspreis des Hessischen Archivpreises 2015 wurde am 25. November in Bad Homburg an Otto Rühl aus Hungen-Villingen, auf Vorschlag von Erhard Eller, Stadtarchivar in Hungen, verliehen

Otto Rühl betreut seit mehr als zehn Jahren zusammen mit Wilhelm Konrad ebenfalls aus Hungen-Villingen das Stadtteilarchiv Hungen-Villingen, das seinen Standort im Bürgerhaus Villingen hat. Das Archiv ist heute in den Räumen der ehemaligen Poststelle untergebracht, nachdem es viele Jahre im Keller verwahrt wurde. Otto Rühl besorgte die Umräumung und Einräumung des Bestandes, der sich immerhin auf ca. 600 Konvolute beläuft, die in den 1980er Jahren von der damaligen Beratungsstelle für Gemeindearchivpflege bewertet und verzeichnet wurde. Ferner organisierte er eine Sammlung alter Fotos aus dem Dorfleben von Villingen und digitalisierte diese.

Das umfangreiche Stadtteilarchiv der ehemals selbstständigen Gemeinde Villingen, dessen älteste Archivalien auf das frühe Mittelalter zurückreichen (Pergamentreste von vor allem kirchlichen Schriften, die zu Einbänden von Akten benutzt worden waren) verfügt darüber hinaus einen Bestand, beginnend in der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Es bildete sich ein Kreis von Heimatforschern, die damit begannen, den Archivfundus für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. So erschienen erste Aufsätze beispielsweise im „Kirchturmblick". Man suchte Rat bei einem befreundeten Heimatkundler, der schon einige Erfahrungen durch mehrere Veröffentlichungen in überregionalen Publikationen gesammelt hatte. Das Team des Heimatkundlichen Arbeitskreises besteht aus Wilhelm Konrad und Otto Rühl aus Villingen sowie Heinz P. Probst aus Grünberg-Queckborn. Bald stieß noch der frühere Villingener Dr. Ulrich Kammer, der heute in Laubach wohnt, dazu. Unterstützung fand man von Anfang an bei dem Gemeindepfarrer, dem Ortsvorstand, der Stadt Hungen und der ehemaligen Bürgermeisterin von Villingen.

Bald wurde begonnen, die umfangreichen Archivunterlagen im Ort systematisch über eine eigene Publikationsreihe, die „Villingener Hefte", zu erschließen. Neben dem Gemeindearchiv und den alten Gerichtsbüchern des vormaligen Obergerichtes Villingen wurden hierfür auch Unterlagen aus anderen Archiven und Veröffentlichungen besonders über Villingen direkt ausgewertet. Dank dem Interesse, das diese Reihe in Villingen und darüber hinaus fand, wurden die Hefte relativ schnell verbreitet und erreichten viele Leserinnen und Leser.

So reicht der Bogen der in den Villingener Heften erschienen Artikel von der Vor- und Frühgeschichte bis zur heutigen Zeit. Mehrere Sonderausgaben des Teams beschäftigen sich mit verschiedenen Themen des dörflichen Lebens, so u. a. mit dem 1. Weltkrieg.

So sind in den vergangenen Jahren mehr als 50 Publikationen erschienen.

Der Hessische Archivpreis soll die Bedeutung von Archiven und archivarischem Engagement für die orts- und regionalgeschichtliche Forschung sowie für die Aufarbeitung gesellschaftspolitischer Fragestellungen hervorheben. Seit 2005 wird er jährlich von der Sparkassen-Kulturstiftung, dem Landesverband Hessen des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. (VdA) sowie dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Die Auszeichnung gliedert sich in zwei Teile: Der von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gestiftete institutionelle Preis richtet sich an kleinere nichtstaatliche, insbesondere kommunale Archive sowie Archive wissenschaftlicher Einrichtungen unter hauptamtlicher Leitung. Mit dem Preisgeld von 5.000 Euro wird ein hessisches Archiv ausgezeichnet, das sich in vorbildlicher Weise um den Kulturgutschutz und die Archivierung von Schriftquellen und Dokumentationsgut verdient gemacht hat.

Mit dem Ehrenamtspreis zeichnet das Land Hessen drei Persönlichkeiten aus, die sich durch besondere Leistungen im Dienste des Kulturgutschutzes und der Öffentlichkeitsarbeit um das hessische Archivwesen verdient gemacht haben. Für diese vom HMWK ausgelobte Auszeichnung steht ein Preisgeld von insgesamt 3.000 Euro zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützt das Ministerium die Organisation der Preisverleihung mit weiteren 2.000 Euro.

Bürgermeister Rainer Wengorsch würdigte im Rahmen eines kleinen Empfangs im Hungener Stadtarchiv auf Hof Grass das Engagement von Otto Rühl und bedankte sich bei ihm für seine langjährige Arbeit zum Erhalt der Geschichte der Stadt Hungen und insbesondere des Stadtteils Villingen.

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