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Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Stadt Hungen

14. Jahrhundert

Man glaubt, dass bereits im 14. Jahrhundert und im Mittelalter Juden in der Stadt Hungen lebten. Urkundliche Nachweise existieren jedoch erst seit 1426. Die jüdischen Familien lebten von Einnahmen aus Pfandleihgeschäften und hatten einen Betsaal bzw. eine Synagoge.

16. Jahrhundert & 17. Jahrhundert

Es bestand eine jüdische Gemeinde mit eigenen Einrichtungen:

  • 1510 Graf Bernhard III. (Graf von Solms) erteilte der Judenschaft das Recht auf einen Friedhof
  • 1623 Hungener Juden wurde auf Grund einer Klage der Krämerzunft, dass Hausieren verboten
  • 1633 Auf Grund des Befehls von Graf Wilhelm II, wurden verarmte Juden ausgewiesen.
  • 1655 Es gab fünf jüdische Hausbesitzer in der Stadt Hungen
  • 1666 In der Stadt Hungen wurden 53 jüdische Einwohner in acht jüdischen Familien gezählt

18. Jahrhundert

Rund zehn jüdische Familien lebten in der Stadt Hungen. Die in Langsdorf lebenden jüdischen Personen gehörten zur Gemeinde in Hungen dazu, bildeten jedoch 1765 eine eigene Gemeinde.

19. Jahrhundert & 20. Jahrhundert

Auf Grund des Prozesses der Ab- und Auswanderung sind mehrere jüdische Einwohner nach Nordamerika ausgewandert. Die übrigen jüdischen Familien lebten in sehr bescheidenen Verhältnissen.
Im 19. Jahrhundert besserte sich die Situation nach Eröffnung mehrerer Läden. Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Inheiden und Utphe lebenden jüdischen Personen.
Eine Synagoge ,eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof waren erichtet.
Ein Religionslehrer diente der Bildung und als Vorbeiter.

1924 wurden 73 judische Einwohner gezählt. Die Vorsteher waren Gustav Löb und
Gustav Gonsenhäuser. Um 1930 gab es zwei Getreidehändler, sieben Textilhändler, fünf Viehhändler, einen jüdischen Arzt und einen jüdischen Lehrer.

Zeit im Krieg  

In den folgenden Jahren ist ein Großteil der jüdischen Gemeinde auf Grund des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung, insbesondere nach Frankfurt ausgewandert. Im März 1933 hatte ein SA-Trupp Gustav Gonsenhäuser in seiner Wohnung überfallen (Kaiserstraße 27). Jüdische Viehhändler wurden vom Viehmarkt ausgeschlossen. Bauern, die noch mit Juden handelten, durften ihre Milch nicht mehr in der Molkerei Hungen abliefern. SA-Leute überfielen viele jüdische Häuser und Wohnungen in Hungen. Männer wurden festgenommen, in das Gefängnis gesperrt und misshandelt.

1939 gab es nur noch 13, 1940 nur noch sieben jüdische Einwohner in der Stadt Hungen.
1942 wurden die letzten drei jüdischen Einwohner Hungens deportiert. Aus Inheiden wurden
16 jüdische Personen deportiert,und dann in das "Judenhaus" in Inheiden gebracht.Viele Menschen sind gestorben und haben viel Leid und Unglück ertragen müssen...

Im Gedenken an

Am 26. August 1990 wurde am jüdischen Friedhof in Hungen ein Mahnmal zur Erinnerung eingeweiht. Auf dem Denkmal stehen die Namen der in der Zeit der Gewaltherrschaft
1933 bis 1945 ermordeten, vertriebenen und gedemütigten jüdischen Bürger.