Lokale Agenda 21
Die Agenda 21 gründet auf der Einsicht, daß tiefgreifende ökologische, soziale und wirtschaftliche Probleme wie etwa Umweltzerstörung, ungerechte Verteilung der Güter oder Arbeitslosigkeit in wechselseitigem Zusammenhang stehen und nicht voneinander getrennt zu lösen sind.
Grundlage für unsere Existenz für wirtschaftliche und soziale Entwicklung ist, daß wir unser Leben im Einklang mit der Natur, nicht gegen die Natur gestalten.
Wir dürfen die Natur für unsere Bedürfnisse nutzen, sie jedoch nicht so stark in Anspruch nehmen, daß sie geschädigt oder gar zerstört wird, weil wir damit unserer eigenen Existenz die Grundlage entziehen.
Ein Handeln im Einklang mit der Natur garantiert die ökologische Zukunftsbeständigkeit.
Nur auf dieser Grundlage kann sich ein zukunftbeständiges Wirtschaftssystem entwickeln. Menschliche Arbeit muß ein größeres Gewicht bekommen; erneuerbare Rohstoffe und Energie dürfen nicht übernutzt, nicht erneuerbare Rohstoffe und Energie nur in dem unabdingbar nötigen Maß verbraucht werden.
Ein solches Wirtschaften wird auch als ressourceneffizient bezeichnet.
Zielsetzung (lt. Agenda-Info des Hess. Ministeriums 1998)
Die Agenda 21 ist zweierlei:
- Ein Handlungsprogramm mit Vorgaben,
die wir möglichst kurzfristig erreichen wollen.
Das Erreichte kann dann wie in einer Checkliste abgehakt werden (bei uns heute im November 2006 eine Zwischenbilanz des „Ziel- und Maßnahmekatalogs“).
- Eine Anleitung zum Aufbau gerechter Diskussions- und Entscheidungsstrukturen,
die nicht allein zur Umsetzung kurzfristiger Ziele erforderlich sind, sondern darüber hinaus lebendig bleiben müssen, wenn wir weiterhin den Weg in eine liebenswerte Zukunft beschreiten wollen.
Bei uns in Hungen entwickelte sich sehr gute Mitarbeit vieler Bürger an der Agenda-Arbeit, so daß im Jahre 2003 die Ergebnisse der Gruppen im Stadtparlament verabschiedet werden konnten (siehe die beiden Seiten Nr. 4 und Nr. 5 zur Chronologie).
Umsetzung:
So ist beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Stadt Lich (gemeinsames Mittelzentrum) eine Konzeptstudie zur Strukturstärkung des Einzelhandels erstellt worden, die uns Hinweise gibt, ob und in welcher Form eine Veränderung realisierbar ist. (s. Anl. in Auszügen)
Zwei Themenbereiche (speziell für Hungen)
konnten immer wieder nur andiskutiert, jedoch noch keine abschließenden Ergebnisse erzielt werden.
- – Altstadtsanierungsgestaltung
- – Hochwasserschutzmaßnahmen
Beide Themenbereiche sind sehr komplex.
zu 1) Der Bau bzw. die Fertigstellung der Umgehungsstraße wird die
vielfachen Emissionsprobleme im Stadtkern stark reduzieren.
- Der Bau der Umgehungsstraße eröffnet mit neuer Verkehrsführung und gemäßigtem Verkehrsaufkommen im Stadtkern die lang ersehnten Gestaltungsmaßnahmen, zu denen die einzelnen Agenda-Gruppen immer wieder Vorschläge formuliert haben, die aber verständlicherweise seither noch nicht angepackt werden konnten.
Denn zuerst werden die Obertor- und Untertorstraße als Bundesstraßen entwidmet. Kanal- und Wasserleitung werden saniert und dann Funktion und Straßenbild neu gestaltet, wozu Förderanträge eingereicht worden sind ( Nachricht soll die Stadt vom ASV Schotten noch vor Jahresfrist erhalten).
Stadtteile
Um den Weg in eine liebenswerte Zukunft bei der Stadt- bzw. Dorfgestaltung zu erreichen, haben die seitherigen Förderprogramme sehr geholfen.
Mit finanzieller Unterstützung und fachlich architektonischer Begleitung konnten bei den Dorferneuerungsprogrammen in Langd, Rabertshausen und Obbornhofen hervorragende Ergebnisse erzielt werden.
Durch das einfache Stadterneuerungsprogramm in Villingen wird im Augenblick der Lindenplatz neu gestaltet und in 2007 die vorliegende Planung für den Dorfplatz vor dem Feuerwehrhaus umgesetzt.
Überlegungen für weitere Stadtteile sind notwendig.
zu 2)
Beim Hochwasserschutz
ist die Stadt Hungen ebenfalls in einer mit mehreren Nachbarstädten angelegten Gutachten- und Planungsphase.
Erst nach vorliegender Genehmigung und Zusage der Fördermittel können diese Maßnahmen angepackt werden, wozu die Stadt Hungen alleine nie in der Lage wäre.
Eingriff bzw. Regulierung in der Ökologie wird dann von wasserwirtschaftlich fachlicher Seite umgesetzt werden.
Im Anschluß daran können viele ökologische Projekte und auch andersartige Folgeprojekte in Angriff genommen werden, die jedoch zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht möglich sind, worauf in dem Agenda-Katalog immer wieder verwiesen werden muß.
Erfreulich ist die Tatsache, daß heute gerade in diesem Zusammenhang die Vorstellung und Aushändigung einer Machbarkeitsstudie „Seegebiet Inheiden und Trais-Horloff“ an Fraktionen, Magistrat und Öffentlichkeit erfolgt, womit viele diesbezügliche Agenda-Fragen eine aktuelle Beantwortung finden.
Ein „Natur-Tourismus-Konzept“ wird vorgelegt (siehe dort
S. 21 bis 28).
Der Bereich Touristik und die damit verbundenen Möglichkeiten werden intensiv beleuchtet.
Wie bereits erwähnt, erfolgt auf den nächsten beiden Seiten eine bereits in der Stadtverordnetenversammlung ausgehändigte kurze Darstellung der Hungener Agenda-Chronologie (bis 11.12.2003).
Zu den Zielen und Maßnahmen in dem von den Agenda-Gruppen erarbeiteten Katalog sind die entsprechenden Sachstandsvermerke als Zwischenbilanz 2006 angebracht.
Chronologie:
Umsetzung der „Lokalen Agenda 21 in Hungen“
Den Grundsatzbeschluß zur Aufstellung der „Lokalen Agenda 21 in Hungen“ hat die Stadtverordnetenversammlung am 04. Dezember 1997 einstimmig gefasst.
Am 23. Oktober 1998 sind alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hungen zur Auftaktveranstaltung in die Stadthalle eingeladen worden. Nach Erläuterung und Diskussion durch die Vertreter der Fachbüros und des Hess. Umweltministeriums sind vier Arbeitsgruppen zur Umsetzung des Prozesses „Lokale Agenda 21 in Hungen“ gegründet worden.
Die Arbeitsgruppen haben sich in 52 Sitzungen mit den Agendathemen befasst;
im einzelnen:
Die
Arbeitsgruppe 1 |
– Leitung: Planungsbüro Fischer ( Linden )
„Siedlungs- und Gewerbeentwicklung“ hat
folgende Themen bearbeitet:
- Siedlungsentwicklung
- Verkehr
- Wirtschaft
- Infrastruktur / Tourismus
|
Die
Arbeitsgruppe 2 |
– Leitung: PNL Hungen ( Wagner )
„Schutz der Erdatmosphäre“ hat
folgende Themen bearbeitet:
- Energie und Umwelt in Hungen
- Verkehr und Umwelt in Hungen
- Stärkung regionaler Kreisläufe im Sinne der Agenda 21
- Ressource Wasser
- Öffentlichkeitsarbeit und Vorbildfunktion
|
Die
Arbeitsgruppe 3 |
– Leitung: PNL Hungen ( Dr. Sawitzky )
„Umwelt, Soziales und Politik“ hat
folgende Themen bearbeitet:
- Naturnahe Gestaltung von öffentlichen Grünflächen
- Mitbestimmung und Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens
- Umweltbewußtes Handeln
- Verbesserung der Infrastruktur
|
Die
Arbeitsgruppe 4 |
– Leitung: PNL Hungen ( F. Bernshausen )
„Natur und Landschaft“ hat
folgende Themen bearbeitet:
- Erhaltung eines leistungsfähigen Naturhaushaltes
(Gewässer und Auen; Schutz des Grundwassers; Landschaft-
und Flächenverbrauch)
- Biotop und Artenschutz
- Nachhaltige Landnutzung (Landwirtschaft; Wald und
nachhaltige Forstwirtschaft)
- Nachhaltige Freizeitnutzung
- Einbindung in öffentliche Entscheidungsprozesse
- Mitarbeit bei kommunalen Planungen |
Alle Ämter sind regelmäßig über den Verlauf des Prozesses „Lokale Agenda 21 in Hungen“ durch das Umweltamt informiert worden. Die erarbeiteten Ergebnisse der vier Arbeitsgruppen (ca. 200 Personen) sind in Protokollen festgehalten worden, die nach jeder Arbeitsgruppensitzung direkt an alle Ämter verteilt worden sind. Ebenso sind auch die Abschlußberichte der vier Arbeitsgruppen am 21. August 2000 an alle Ämter zur Kenntnisnahme weitergeleitet worden.
Am 17. August 2000 haben alle Arbeitsgruppen im Kultursaal der „Alten Grundschule in Hungen“ ihre Abschlussberichte den Hungener Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern der städtischen Gremien, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung vorgestellt.
Vorstellung und Beschlussfassung der erarbeiteten Leitbilder- und Katalogmaßnahmen der Arbeitsgruppen I bis IV des Prozesses "Lokale Agenda 21 in Hungen" erfolgten im Magistrat und den städtischen Gremien im Zeitraum vom 17. Juni bis zum 11. Dezember 2003.
Die Stadtverordnetenversammlung hat in der Sitzung am 11.12. 2003 den Agenda - Leitfaden
mit Leitbildern, Zielen und Maßnahmen verabschiedet.
Zum Schluß
sei nochmals hingewiesen:
Lokale Agenda heißt...“sich lokal kundig machen und lokale Vorschläge und Ideen“ einbringen.
Das ist intensiv von Hungens Bürgern wahrgenommen worden.
Die Stadt versucht, Machbares umzusetzen, Innovationen aufzunehmen und zu strukturieren (auch zeitlich).
Dank an die vielen Bürger, die tatkräftig mitgearbeitet haben !
Vieles steht noch an !